Tiergestützte Pädagogik an der GGS Kall

Schule hatte traditionell nicht den Auftrag, Lebensort zu sein. Sie wurde als Lernort eingerichtet. Die Folgen aber des Zerfalls haltender nachbarschaftlicher und familiärer Strukturen führen verstärkt zu der Forderung, Schule müsse sich um mehr als Wissensvermittlung bemühen.

Wir sind inzwischen in der Schule nicht mehr nur als Lehrer gefordert, sondern erfüllen nebenbei auch noch die Rolle von Sozialarbeiter, Psychologen, Familientherapeuten und gegebenenfalls auch Ärzten.

Auch wenn wir uns sehr bemühen, allen diesen Rollen gerecht zu werden, gibt es immer mehr Kinder, die den Anforderungen der Schule nicht mehr gewachsen sind. Wir stellen vermehrt Wahrnehmungsstörungen fest, Probleme im sozialen Verhalten, darin, Beziehungen aufzubauen und zu halten, grobe Rücksichtslosigkeiten sowie Gewaltausübung gegen andere Mitschüler ohne jede Einsicht in „Schuld“, Verantwortungslosigkeit gegenüber Sachen und Personen und.... Wir sprechen hier nicht von allen Schülern, aber – wie oben schon gesagt – die Zahl solcher (teilweise extremen) Verhaltensauffälligkeiten nimmt zu.

Das führt so weit, dass wir einige Kinder mit unseren bisher angewandten pädagogischen Mitteln schon gar nicht mehr erreichen, andere sind auf dem Weg dazu. Hinzu kommen noch die Kinder, die uns als Stützpunktschule für Kinder mit Lernbehinderungen oder Entwicklungsdefiziten im emotional – sozialen Bereich überwiesen werden.

Leider liegen die Gründe häufig in einem familiären Umfeld, das solche Verhaltensweisen noch unterstützt oder durch Verharmlosung runterspielt
(„ der/die ist doch noch klein, das wächst sich noch aus“).

Wir in der GGS Kall sind aber im Interesse dieser wie auch der anderen Kinder, deren Schulleben durch solche Problematik erheblich gestört wird, hilflos zuzusehen, wie immer mehr Kinder durch unsere „Normales“ pädagogisches Schulsystem“ fallen.

Somit haben wir uns mit alternativen pädagogischen Konzepten befasst, die speziell aus der therapeutischen Arbeit mit Kindern mit o.g. Problemen kommen, dann aber weiter entwickelt wurden für Arbeit an Kindergärten und Schulen.

Tiergestützte Pädagogik ist eine davon, eine Disziplin, die weithin Anerkennung gefunden hat.

 

Dabei geht man von der Annahme aus, dass :

1. Ein Gefühl der Verbundenheit mit dem Tier entsteht (Kontakt)
2. Dieses Gefühl der Verbundenheit durch stimmige Kommunikation zwischen Mensch und Tier verstärkt wird.
3. Dieses verstärkte Gefühl von Verbundenheit wiederum zur Ausbildung von auf die Tiere bezogenes emphatisches Empfinden und Handelns führt.
4. Damit wieder ein Kreislauf in Gang gesetzt wird, wodurch selbstbestimmte Wissensaneignung aber auch die Auseinandersetzung mit den
    eigenen und den Gefühlen der Tiere angeregt wird.
5. Das Üben von emphatischem Fühlen und Handeln am Tier die emphatischen Fähigkeiten des Menschen auch in Bezug auf andere Menschen
    erweitert.

 

Tiergestützte Pädagogik mit Schulhunden an der GGS Kall:

Derzeit befinden sich an der GGS Kall vier Schulhunde im Einsatz.

Unsere Schulhunde haben ein freundliches Wesen. Sie sind aufmerksam und zeigen Interesse an ihrer Umgebung. Sie lassen sich alle gerne anfassen, streicheln und füttern und zeigen große Freude am Spiel. Alle Schulhunde beherrschen die Grundkommandos. Die Hundehalter kennen ihre Hunde und können Anzeichen wie Stress oder Überforderung deuten und den Hund der entsprechenden Situation entziehen. Die Schulhunde sind natürlich gesund und werden regelmäßig geimpft und entwurmt.

Da Tiere bei uns und im Alltag der Kinder eine wichtige Rolle spielen, ist der Einsatz unserer Schulhunde eine logische Konsequenz daraus.

Der Lehrplan des Faches Sachunterrichtes (Richtlinien und Lehrpläne für Grundschulen in Nordrhein-Westfalen Seiten 43-51) weist ganz klar den Umgang mit Tieren aus. „Die Schülerinnen und Schüler nehmen Naturphänomene und Erscheinungen der belebten und unbelebten Natur mit allen Sinnen wahr, entwickeln eigene Fragestellungen und Zugänge zum Erkunden und Untersuchen. Sie entwickeln Achtung und Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit Lebewesen.“ Zu erlangende Kompetenzen sind u.a. den Körperbau und die Lebensbedingungen der Tiere erkunden und Ergebnisse zu dokumentieren, die Entwicklung von Tieren zu beschreiben, Zusammenhänge zwischen Lebensräumen und Lebensbedingungen für Menschen, Tiere und Pflanzen zu beschreiben aber auch die Pflege von Tieren und Pflanzen. Die Kinder lernen hier aber nicht nur etwas über die Tiere, sondern vor allem mit und durch die Tiere.

Es ist erwiesen, dass Kinder die mit Tieren aufwachsen ein besseres Sozialverhalten zeigen, rücksichtsvoller und ausgeglichener sind. Der Einsatz unserer Schulhunde stärkt die Persönlichkeit der Kinder. Die Kinder erfahren Zuneigung und Annahme. Die Hunde werden bei uns im Klasssenverband des Halters eingesetzt. Der Schultag startet schon damit, dass einige Kinder zum Ankommen den Kontakt mit dem Klassenhund suchen, mit diesem kuscheln, ihm Dinge erzählen, aber auch Leckerchen füttern dürfen. Ein Schulhund steigert die Lernmotivation und Konzentration. Beim Einsatz eines Schulhundes werden wichtige allgemeine Regeln aufgestellt, an die sich jedes Kind zu jeder Zeit zu halten hat. Haben die Kinder Vertrauen zu ihrem Klassenhund gefasst baut dies Stolz auf und Schulängste ab.

Sie gehen auch rücksichtsvoll mit dem Tier um und können dessen Gefühle deuten und darauf eingehen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die tiergestützte Pädagogik an der GGS Kall eine große Bereicherung für die Kinder ist und diese sehr viel mit und von den Tieren lernen.